Zwischen den Friesischen Inseln und dem Festland liegt eine Landschaft, die sich zweimal am Tag komplett verwandelt. Bei Flut ist hier Meer, bei Ebbe liegt der Meeresboden frei: Sand, Schlick, Muschelbänke und ein Netz aus Prielen, die das ablaufende Wasser sammeln. Die vorgelagerten Inseln schützen dieses flache Küstenmeer vor der Brandung der offenen Nordsee.
Ebbe und Flut
Etwa alle sechs Stunden wechseln Hoch- und Niedrigwasser, ein vollständiger Zyklus dauert rund zwölfeinhalb Stunden. Deshalb verschieben sich Ebbe und Flut jeden Tag um knapp eine Stunde. Der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser beträgt je nach Ort mehrere Meter. Bei Voll- und Neumond fällt er besonders groß aus, dann spricht man von Springtide.
Leben im Watt
Auf den ersten Blick wirkt das Watt leer, tatsächlich gehört es zu den produktivsten Lebensräumen der Erde. Überall siehst du die kleinen Sandhäufchen der Wattwürmer, dazu Herzmuscheln, Miesmuscheln, Wattschnecken und Strandkrabben. Nordseegarnelen, die berühmten Krabben, wachsen hier auf. In den Salzwiesen am Rand wachsen Pflanzen wie der Queller, die mit Salzwasser zurechtkommen.
Drehscheibe für Zugvögel
Für Millionen Zugvögel ist das Wattenmeer eine unverzichtbare Raststation zwischen ihren Brutgebieten im hohen Norden und den Winterquartieren im Süden. Im Frühjahr und Herbst sammeln sich hier riesige Schwärme von Ringelgänsen, Knutts, Austernfischern und Pfuhlschnepfen, um sich satt zu fressen. Im Oktober feiert der Nationalpark in Niedersachsen dieses Schauspiel mit den Zugvogeltagen.
Seehunde und Kegelrobben
Auf den Sandbänken ruhen Seehunde, im Frühsommer bringen sie ihre Jungen zur Welt. Die Kegelrobbe ist das größte Raubtier Deutschlands, ihre Jungen kommen im Winter zur Welt, zum Beispiel auf der Helgoländer Düne. Findest du einen jungen Seehund allein am Strand, einen sogenannten Heuler, fass ihn nicht an und halte Abstand. Informiere die Polizei oder die Seehundstation, die Mutter ist oft in der Nähe.
Nationalpark und Weltnaturerbe
Der deutsche Teil des Wattenmeers ist in drei Nationalparks geschützt: dem Schleswig-Holsteinischen, dem Niedersächsischen und dem Hamburgischen Wattenmeer. 2009 hat die UNESCO das Wattenmeer von Deutschland und den Niederlanden zum Weltnaturerbe erklärt, später kam der dänische Teil dazu. Besonders empfindliche Bereiche sind Ruhezonen, die du nur auf ausgewiesenen Wegen betreten darfst.
Halligen: Leben mitten im Watt
Eine Besonderheit gibt es nur im nordfriesischen Wattenmeer: die Halligen. Diese kleinen, nicht eingedeichten Inseln werden bei Sturmfluten überspült, die Häuser stehen auf Warften. Die größte ist Langeneß, wo du das Leben mitten im Wattenmeer hautnah erlebst.
So erlebst du das Wattenmeer
Am eindrucksvollsten ist eine geführte Wattwanderung, alles dazu findest du auf unserer Seite Wattwandern an der Nordsee. Dazu kommen Schiffsfahrten zu den Seehundbänken und Besucherzentren wie das Multimar Wattforum in Tönning, das Wattenmeer Besucherzentrum in Wilhelmshaven oder das Erlebniszentrum Naturgewalten in List auf Sylt.




